Hartwig Friedrich Wiese



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Beigesetzt in dem Familiengrab "...ohne Leichenrede und Gesang an meinem Grab, jedoch unter Glockengeläut..." so wie er es in seinem Testament verfügte.


Lebenslauf von Hartwig Friedrich Wiese

Hartwig Friedrich Wiese wurde am 13. Mai 1840 als Sohn des Hufners und Bauernvogtes Hans Hinrich Wiese und seiner Ehefrau Magdalene geb. Dibbern in Schönkirchen als ältester von 6 Geschwistern geboren. In der Familie und von seinen Freunden wurde er Fritz genannt. Der Großvater von Fritz, Peter Wiese, prägte die Kindheit von Fritz mit seinen vielen naturwissen-schaftlichen Veröffentlichungen, die Fritz gern las. In der Dorfschule förderten ihn seine Lehrer Jes Petersen und Hans Peter Ewoldt in den Naturwissenschaften. In den Sprachen, besonders in Latein, erhielt Fritz Wiese Unterricht von Pastor Carl Friedrich Mertz. Nach der Schulzeit in Schönkirchen schickten seine Eltern ihren ältesten Sohn Fritz auf ein einjähriges Mathematikse-minar nach Oelixdorf. Sie verzichteten darauf, ihren ältesten Sohn, wie es damals eigentlich üblich war, als Hoferbe zum Landwirt auszubilden.

Von 1856 bis 1861 studierte Wiese am Polytechnikum in Hannover mit dem Abschluss als Ingenieur. Er arbeitete zunächst in Hannover, dann in Westfalen. Ab 1867 übernahm er die Bauleitung der im Bau befindlichen Bahnstrecke der Venloer-Hamburger Bahn. 1882 kehrte Fritz Wiese nach Schön-kirchen zurück, Grund war der Tod seines Vaters und die Krankheit seines Bruders, des Hoferben. Mit seinen Geschwistern verpachteten sie die landwirtschaftlichen Flächen und kümmerten sich um die Resthufenstelle. Fritz Wiese sagte: „Meine Hauptbeschäftigung sind die Naturwissenschaften, an denen ich von Jugend auf hänge. Speziell beschäftige ich mich mit Käfern, davon meine Sammlung schon über tausend Arten enthält …“

Der Leiter des Zoologischen Institutes der Universität Kiel Prof. Karl August Möbius besuchte Wiese mit seinen Studenten mehrfach in Schönkirchen, um gemeinsame naturkundliche Exkursionen zu machen. Wiese schrieb etliche Artikel zu zoologischen Themen, die als wertvolle Quellen für weitere Studien galten. Wiese, der auch ein guter Goethekenner war, unternahm 1888 bis 1894 Reisen auf Goethes Spuren und besuchte zahlreiche Museen und Kunstschätze in Deutschland, der Schweiz und Italien, wiederholt war er auch im Zoologischen Museum in Berlin.

1884 beginnt Wiese mit den Forschungen zur Geschichte Schönkirchens. Hierzu suchte er Daten und Fakten im Landesarchiv, in den umliegenden Gütern und im Königlichen Staatsarchiv in Kopenha-gen, und schloss die Arbeit hierzu 1886 ab. Es gab in Schönkirchen den Wunsch, Wieses Recher-chen in Buchform zu veröffentlichen. Wiese sammelte dafür Spenden ein, sein Buch bekam den Titel: "Nachrichten von dem Kirchspiel Schönkirchen, insbesondere von dem Kirchdorf selbst …". Das Buch umfasst 368 Seiten mit zahlreichen Zeichnungen, Karten, Grafiken und Bildern, viele von ihm selbst erstellt. In seiner Scheune richtete er die „100-jährige Wohnung“ ein. Wiese setzte seine Sammlungen von Käfern, Vogeleiern, kleinen Säugetieren, Reptilien und Insekten fort, ebenso die von steinzeitlichen Werkzeugen. Einen Teil davon vermachte er den Zoologischen Museen in Kiel und Sofia, für den Rest seiner Sammlung ließ er einen großen Schrank anfertigen, der sich heute mit der Sammlung im Heimatmuseum des Schmidt-Hauses in Schönkirchen be- findet.

1855 wurde Wiese Kirchspielvogt, 1886 Standesbeamter, 1887 Schiedsmann und 1889 Amtsvorste-her in Schönkirchen. Für sein Buch erhielt er in der Schleswig-Holsteinischen Presse sehr gute Kriti-ken: „… ungewöhnlich, historisch, fesselnd, populär …“. Am 6.02.1905 stürzte er schwer auf eisigem Boden und starb an inneren Blutungen. In seinem Testament hatte er verfügt: … „ich wünsche, in unserem Familiengrab beigesetzt zu werden und zwar ohne Leichenrede und ohne Gesang an meinem Grab, jedoch unter Glockengeläut…“. In einem Nachruf hieß es: Er hatte viele Freunde. Von den braven Schönkirchener Bauern wurde er hochverehrt, er, aus ihrer Mitte, aber sie alle an Kenntnissen weit überragend und doch einfach und ohne jeden Hochmut mit ihnen verkehrend. Wiese ist eine Zierde in der Reihe Schleswig-Holsteinischer Menschen und Naturforscher gewesen.

Jürgen H. Waldner

 

Quellen:

Hartwig Friedrich Wiese, Wiesechronik

Brigitte Prien, Chronik Schönkirchen 1994

Jürgen H. Waldner, eigene Aufzeichnungen